ISO 20022 ist der internationale Standard für Nachrichten im Zahlungsverkehr, und er betrifft jedes Unternehmen, das aus SAP heraus zahlt oder Kontoauszüge verarbeitet. Die deutschen Banken haben das bisherige Kontoauszugsformat MT940 im November 2025 durch camt.053 ersetzt, für die ältere Version des Überweisungsformats enden die Übergangsfristen vieler Banken im November 2026, und als Nächstes werden strukturierte Adressen verpflichtend. Dieser Beitrag ordnet ein, was das in SAP bedeutet und wie eine Umstellung gelingt.

Auf einen Blick

  • ISO 20022 ersetzt ältere Formate wie MT940 und DTAZV durch XML-Nachrichten: pain für Zahlungsaufträge, camt für Kontoinformationen.
  • In Deutschland ist camt.053 seit November 2025 das Standardformat für Kontoauszüge.
  • Strukturierte Adressen werden Pflicht. Die für November 2026 geplanten Termine haben der European Payments Council und Swift verschoben; neue Termine stehen noch aus.
  • In SAP betrifft die Umstellung Zahlungsträger, elektronischen Kontoauszug, Buchungsregeln und Stammdaten.

Was ISO 20022 ist

ISO 20022 ist ein Standard für Finanznachrichten im XML-Format. Er legt fest, wie Zahlungsaufträge, Statusmeldungen und Kontoinformationen aufgebaut sind: mit klar benannten, strukturierten Feldern statt der früheren Textfelder mit fester Länge. Dadurch passen mehr und eindeutigere Informationen in eine Zahlung, etwa vollständige Verwendungszwecke oder strukturierte Adressen.

Für Unternehmen sind zwei Nachrichtenfamilien wichtig:

  • pain (Payment Initiation): Aufträge des Unternehmens an die Bank, etwa pain.001 für Überweisungen und pain.008 für Lastschriften. Mit pain.002 meldet die Bank den Status zurück.
  • camt (Cash Management): Informationen der Bank an das Unternehmen, etwa camt.053 für den Tageskontoauszug, camt.052 für untertägige Umsätze und camt.054 für Einzelumsätze, zum Beispiel aus Sammelbuchungen.

Die wichtigsten Formatwechsel im Überblick:

Bisheriges FormatNeues FormatInhalt
MT940camt.053Tageskontoauszug
MT942camt.052Untertägige Umsätze
DTAZVpain.001Auslandsüberweisung
pain.001.001.03pain.001.001.09Überweisung, neue Version

Zwischen den Banken laufen zusätzlich pacs-Nachrichten. Mit SEPA nutzen Unternehmen in Europa ISO 20022 bereits seit Jahren. Neu ist, dass der Standard jetzt auch Auslandszahlungen und Kontoauszüge vollständig abdeckt.

Was sich gerade ändert

Kontoauszüge: camt.053 statt MT940

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat das Format MT940 abgekündigt. Die meisten Banken haben den Tagesauszug im November 2025 auf camt.053 in der Version 08 umgestellt; einzelne Banken lieferten MT940 noch etwas länger. Wer heute noch MT940 verarbeitet, sollte die Umstellung mit seinen Banken klären.

Zahlungsaufträge: neue Formatversionen

Für Überweisungen gilt pain.001 in der Version von 2019 (pain.001.001.09) als Standard. Auch Auslandszahlungen laufen darüber und lösen das deutsche Format DTAZV ab. Für die ältere Version pain.001.001.03 enden die Übergangsfristen bei vielen Banken im November 2026.

Strukturierte Adressen

Adressen von Zahlungspflichtigen und Empfängern sollen künftig nicht mehr als freie Textzeilen übermittelt werden, sondern strukturiert, mindestens mit Ort und Land in eigenen Feldern (hybride Adresse). Für Auslandszahlungen aus Deutschland ist das seit November 2025 vorgesehen.

Für SEPA-Zahlungen hat der European Payments Council das für November 2026 geplante Ende unstrukturierter Adressen im September 2026 verschoben. Für den internationalen Zahlungsverkehr zwischen Banken hat Swift die entsprechende Pflicht bereits im August 2026 ausgesetzt. Neue Termine stehen noch aus. Die Verschiebung ist dennoch kein Grund zu warten: Die Adressdaten liegen in den SAP-Stammdaten, und deren Bereinigung braucht Zeit.

Was das in SAP bedeutet

Zahlungsträger

SAP erzeugt Zahlungsdateien über die Payment Medium Workbench. Das Dateiformat wird in sogenannten Formatbäumen beschrieben (Data Medium Exchange Engine, kurz DMEE). SAP liefert Standardformate für ISO 20022, die je nach Land und Bank angepasst werden müssen; manche Banken stellen eigene Vorlagen bereit.

Elektronischer Kontoauszug

Kontoauszüge werden in SAP eingelesen und über Buchungsregeln automatisch verbucht und ausgeglichen. Mit dem Wechsel von MT940 auf camt.053 ändern sich Dateiaufbau und die Art, wie Bankvorgänge codiert sind. Die Zuordnung der Bankvorgänge zu den Buchungsregeln muss deshalb geprüft und meist angepasst werden, sonst landen Posten in der manuellen Nachbearbeitung.

Stammdaten

Für strukturierte Adressen müssen Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort und Land bei Lieferanten und Kunden sauber getrennt gepflegt sein. In vielen Systemen stehen Hausnummern im Straßenfeld oder Zusätze in falschen Feldern. Diese Bereinigung kann den größten Teil des Aufwands ausmachen.

Angebundene Lösungen

Viele Unternehmen nutzen neben SAP spezialisierte Lösungen für Zahlungsverkehr, Cash Management oder Treasury. Auch dort müssen Formate, Zuordnungen und Schnittstellen angepasst werden.

So gelingt die Umstellung

  1. Bestandsaufnahme: Welche Banken, Länder, Zahlwege und Formate sind im Einsatz, und welche Fristen nennen die Banken?
  2. Formate festlegen: Version und Bankvorgaben je Land klären und Testdateien früh anfordern.
  3. SAP anpassen: Formatbäume, Zahlwege, Kontoauszugsimport und Buchungsregeln einrichten.
  4. Stammdaten bereinigen: Adressen und Bankverbindungen prüfen, insbesondere für strukturierte Adressen.
  5. Mit den Banken testen: jede Bank und jedes Format einzeln, einschließlich Statusmeldungen und Kontoauszügen.
  6. Cutover planen: Umstellungstermin je Bank, Parallelbetrieb und Rückfallweg festlegen.

Aus der Praxis

In einem internationalen Projekt mit rund 10 Landesgesellschaften wurden die Zahlungsträger auf ISO-20022-Formate und die Kontoauszugsverarbeitung von MT940 und lokalen Formaten auf camt umgestellt, einschließlich der angebundenen Lösungen für Payment und Cash Management. Den Zeitplan bestimmten weniger die Formate als die Bankentests: Jede Bank hat eigene Testverfahren und Vorlaufzeiten. Wer die Tests früh mit allen Banken terminiert und die Buchungsregeln mit echten Auszügen prüft, vermeidet Überraschungen im Cutover.

Häufige Fragen

Betrifft ISO 20022 auch Unternehmen, die nur in Deutschland zahlen?

Ja. SEPA-Überweisungen und -Lastschriften basieren bereits auf ISO 20022, und auch die Kontoauszüge der deutschen Banken kommen inzwischen als camt.053. Neue Formatversionen und strukturierte Adressen betreffen deshalb auch rein inländisch tätige Unternehmen.

Muss SAP für ISO 20022 neu eingeführt werden?

Nein. Die Umstellung erfolgt in der bestehenden SAP-Landschaft, in SAP ECC ebenso wie in SAP S/4HANA: über angepasste Formate, Einstellungen zum Kontoauszug und bereinigte Stammdaten.

Was passiert, wenn wir nicht umstellen?

Banken können Zahlungsdateien in nicht mehr unterstützten Formaten zurückweisen, und nicht verarbeitete Kontoauszüge erhöhen den manuellen Aufwand in der Buchhaltung. Maßgeblich sind die Fristen Ihrer Banken.

Stand: Oktober 2026. Fristen und Formatversionen unterscheiden sich je nach Bank und Land; maßgeblich sind die Vorgaben Ihrer Banken.

Umstellung auf ISO 20022 geplant?

Ich unterstütze bei Analyse, Umsetzung in SAP, Bankentests und Cutover, auch in internationalen Systemlandschaften.

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Alexander Driediger, SAP FI/CO Berater

Alexander Driediger
Senior SAP S/4HANA Finance & Controlling Consultant mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im SAP-Umfeld und eigener Praxis im Rechnungswesen. Mehr über mich

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