Orientierung für Fachbereich und IT
KI verändert das Finanzwesen, aber nicht über Nacht. Diese Seite gibt einen Überblick: was heute möglich ist, welche Wege es im SAP-Umfeld gibt und worauf es bei Kontrolle und Vertrag ankommt. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, was davon für Ihr Unternehmen relevant ist.
Klarheit statt Hype
Sie erfahren, welche KI-Funktionen im SAP-Finanzwesen heute nutzbar sind und welche erst angekündigt wurden.
Der passende Weg
SAP-Standard, eigene Agenten, externe KI-Plattformen oder Fachanwendungen: Gemeinsam wählen wir den Weg, der zu Systemlandschaft und Vertrag passt.
Kontrolle behalten
Freigaben, internes Kontrollsystem und Prüfbarkeit bleiben gewahrt, auch wenn KI-Agenten Aufgaben übernehmen.
Was KI im Finanzwesen verändert
Im Finanzwesen entsteht eine neue Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI. Menschen setzen Ziele und treffen Entscheidungen. KI-Assistenten verstehen Anfragen, bündeln Informationen und koordinieren die nächsten Schritte. KI-Agenten erledigen einzelne Aufgaben, etwa Abgrenzungen vorschlagen, Intercompany-Salden abstimmen, offene Posten ausgleichen, Klärfälle im Forderungsmanagement vorbereiten oder Zahlungserinnerungen formulieren.
Die Arbeit verlagert sich damit vom Erfassen und Abstimmen hin zum Prüfen, Entscheiden und Erklären.
Eine Grenze ist dabei wesentlich: Sprachmodelle schätzen, sie rechnen nicht. Belastbare Lösungen lassen Beträge deshalb von Systemfunktionen berechnen. Die KI wählt den passenden Schritt aus und erläutert das Ergebnis.
Wo Unternehmen heute stehen
Eine aktuelle Umfrage unter SAP-Anwendern zeigt: 43 % der Unternehmen haben bereits KI-Anwendungsfälle umgesetzt. Rund drei Viertel davon setzen dabei auf Lösungen außerhalb von SAP, etwa Microsoft Copilot. SAPs eigene KI ist bislang nur bei etwa 3 % produktiv im Einsatz. Gut die Hälfte der Unternehmen arbeitet zudem noch mit SAP ERP bzw. ECC.
Eine weitere Studie bestätigt das Bild: hohe Erwartungen an den künftigen Nutzen, bislang aber wenig messbarer Ertrag. Zugleich bewerten viele Unternehmen, die mit KI bereits spürbaren Nutzen erzielen, ihre Datenqualität oder Infrastruktur selbst als verbesserungsbedürftig. Perfekte Daten sind also keine Voraussetzung für den Einstieg.
Die vier Wege im Überblick
Für den Einsatz von KI im SAP-Finanzwesen gibt es in der Praxis vier Wege. Sie schließen sich nicht aus und werden häufig kombiniert.
SAP-Standard: Joule, Assistenten und Agenten
Vorgefertigte KI von SAP, direkt im System: mit Geschäftslogik, Berechtigungen und Prüfpfad.
Zu beachten: setzt SAP Cloud ERP voraus; Tempo und Umfang bestimmt SAP.
Eigene Agenten auf der SAP-Plattform
Mit Joule Studio und dem Generative AI Hub entstehen auf der SAP Business Technology Platform eigene Agenten, wahlweise mit Sprachmodellen von SAP oder anderen Anbietern.
Zu beachten: Entwicklung und Betrieb liegen beim Unternehmen.
Externe KI-Plattformen über MCP
KI-Assistenten wie Claude oder Microsoft Copilot greifen über einen MCP-Server auf SAP-Schnittstellen zu, auch bei ECC und S/4HANA On-Premise.
Zu beachten: nur über freigegebene Schnittstellen; Berechtigungen und Prüfpfad liegen in eigener Verantwortung.
Spezialisierte Fachanwendungen
Software von Drittanbietern für einzelne Finanzprozesse, etwa die Rechnungsverarbeitung, mit eingebauter KI und SAP-Anbindung.
Zu beachten: deckt nur den jeweiligen Prozess ab; jede Anwendung bringt eine weitere Schnittstelle und einen weiteren Vertrag.
Welcher Weg passt, hängt vor allem von SAP-Release, Vertrag und konkretem Anwendungsfall ab.
Der SAP-Standard im Detail
Mit der im Mai 2026 vorgestellten Autonomous Enterprise verfolgt SAP das Ziel, dass Menschen und KI-Agenten Kernprozesse gemeinsam ausführen. Für das Finanzwesen sind Assistenten für Finanzplanung, Abschluss, Fakturierung, Forderungen, Verbindlichkeiten, Cash und Treasury, Governance sowie Steuern und Compliance angekündigt. Die Bedienung erfolgt über den KI-Assistenten Joule.
Laut SAP-Roadmap sollen die Finanz-Assistenten bis Ende 2026 verfügbar sein. Viele der zugehörigen Agenten befinden sich derzeit im Early-Adopter-Programm, einzelne sind allgemein verfügbar, andere als Vorschau. Für den Abschluss stellt SAP bis zu 20 % kürzere Zyklen in Aussicht. Dies ist eine Herstellerangabe, die sich im eigenen Unternehmen erst bestätigen muss.
Ein Beispiel aus dem Steuerbereich: Ein Agent prüft vor der Buchung die Steuerangaben einer Rechnung, begründet seinen Vorschlag und legt Zweifelsfälle zur Prüfung vor. Bearbeitet werden nur noch Auffälligkeiten und unsichere Fälle.
SAP begründet diesen Weg mit dem Systemkontext: Die eigenen Agenten arbeiten direkt im System, mit Geschäftslogik, Berechtigungen und Prüfpfad. Werden dagegen nur Tabellen an ein externes Modell übergeben, geht leicht die Bedeutung hinter den Daten verloren.
Der Zugang ist eng an SAP Cloud ERP gekoppelt. Für Unternehmen mit SAP ECC oder S/4HANA On-Premise öffnet SAP ausgewählte KI-Funktionen nur, wenn sie sich auf einen Weg in die Cloud festlegen. Die Abrechnung ist gestaffelt: Basisfunktionen sind ohne Aufpreis enthalten, erweiterte Funktionen und Agenten werden über ein Verbrauchsguthaben abgerechnet, die sogenannten AI Units. Ab dem vierten Quartal 2026 sollen viele bisher kostenpflichtige Funktionen ohne Aufpreis nutzbar werden.
Eigene Agenten und externe KI
SAP setzt selbst auf offene Standards. In Joule Studio lassen sich SAP-Schnittstellen über das Model Context Protocol (MCP) als Werkzeuge für Agenten bereitstellen. Über den Generative AI Hub können eigene Agenten auch Sprachmodelle anderer Anbieter nutzen, und über den offenen Standard A2A arbeitet Joule mit eigenen Agenten zusammen.
Außerhalb der SAP-Plattform lassen sich KI-Assistenten wie Claude oder Microsoft Copilot über einen MCP-Server an SAP anbinden, grundsätzlich auch an ECC und S/4HANA On-Premise.
Entscheidend ist die Architektur. Werden Daten in ein externes KI-Werkzeug kopiert, greifen die SAP-Berechtigungen nicht mehr. Sauberer ist ein MCP-Server, der über die SAP Business Technology Platform mit gesicherter Anmeldung läuft und nur erlaubt, was der jeweilige Benutzer auch in SAP darf.
Seit April 2026 legt SAPs API-Richtlinie fest, welche Schnittstellen als „Published APIs“ für solche Anbindungen zulässig sind. Diese Frage gehört an den Anfang jedes Projekts. Ebenso wichtig: SAPs Zusicherungen zum Schutz geistigen Eigentums gelten nur für SAP-eigene Modelle, nicht automatisch für eigene Agenten mit externen Modellen.
Fünf Stufen zu Autonomous Finance
- Fundament: SAP S/4HANA bzw. SAP Cloud ERP.
- Saubere Daten und einheitliche Prozesse: Stammdaten, Kontenplan und eine gemeinsame Datenbasis für Buchhaltung und Controlling.
- Automatisierung: Workflows, Regeln und E-Rechnung ohne Medienbruch.
- KI-Assistenz: Joule oder andere KI-Assistenten beantworten Fragen und schlagen Schritte vor.
- Autonome Prozesse: Agenten erledigen Routinearbeit, der Fachbereich steuert die Ausnahmen.
Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Projekterfahrungen zeigen: KI skaliert nicht auf einem instabilen oder zersplitterten Fundament. Zuerst kommen S/4HANA, ein sauberer Kern ohne unnötige Eigenentwicklungen (Clean Core) und die SAP-Plattform, danach Joule. Die S/4HANA-Finance-Migration ist deshalb häufig der erste Schritt.
Streng nacheinander muss der Weg dennoch nicht verlaufen: Erste Anwendungsfälle lassen sich parallel erproben, in ihrer Reife bewerten und in ihrer Nutzung messen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist.
Erfolgsmuster aus der Praxis
Erfahrungsberichte von Anwenderunternehmen zeigen wiederkehrende Muster:
Klein schneiden
Jeder Prozessschritt wird eine klar definierte Funktion. Die KI wählt aus, das System rechnet.
Regeln vor Ermessen
Wo ein guter Prozess eindeutig entscheidet, braucht es keine KI. Feste Regeln und KI ergänzen sich.
Wenige Rechte je Agent
Agenten mit zu vielen Berechtigungen sind ein Einfallstor. Die bewährte Funktionstrennung gilt auch für KI.
Ein Thema nach dem anderen
Kräfte bündeln, statt viele Pilotprojekte gleichzeitig zu verfolgen.
Ende zu Ende denken
In alten Abteilungsgrenzen entstehen alte Lösungen. Die Verantwortung gehört in den Fachbereich, nicht allein in die IT.
Nutzen messen
Nur gemessener Nutzen lässt sich gegenüber Geschäftsführung und Prüfern belegen.
Kontrolle behalten, wenn KI bucht
Organisatorisch und rechtlich ist ein Unterschied entscheidend: Ein Assistent bereitet vor, ein Agent handelt. Sobald Agenten Buchungen vorbereiten oder ausführen, braucht es klare Freigaben, ein angepasstes internes Kontrollsystem und einen lückenlosen Prüfpfad.
Diese Regeln sollten von Anfang an Teil des Konzepts sein, damit Wirtschaftsprüfung und Revision jederzeit nachvollziehen können, was geschehen ist. Dabei unterstütze ich Fachbereich und IT.
Vertrag und Recht
Gesetzlich zulässig heißt nicht automatisch vertraglich erlaubt. Vor dem Einsatz von KI-Agenten sollten vier Fragen beantwortet sein:
Darf der Agent das?
Lizenz, Berechtigungen und SAPs API-Richtlinie müssen zum geplanten Einsatz passen.
Wem gehört das Ergebnis?
Nach SAPs KI-Bedingungen dürfen Ergebnisse intern weiterverwendet werden, etwa als Wissensbasis. Das Training anderer KI-Modelle damit ist untersagt.
Wer behält die Kontrolle?
SAP kann einzelne KI-Funktionen mit mindestens sechs Monaten Ankündigung einstellen. Für kritische Prozesse gehört daher ein Plan B dazu.
Wer trägt die Verantwortung?
Der Kunde. Nach SAPs KI-Bedingungen in der Fassung vom August 2026 ist er verantwortlich für die Aktionen der Agenten, deren Zugriffsrechte und die Aufsicht durch Menschen.
Hinzu kommt die europäische KI-Verordnung: Seit Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI einsetzen, die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten fördern. Seit August 2026 gelten Transparenzpflichten; Pflichten für Hochrisiko-Systeme folgen nach derzeitigem Stand ab Dezember 2027.
Folgen für Fachbereich und IT
Im Finanzbereich verlagert sich die Arbeit vom Erfassen und Abstimmen hin zum Prüfen, Steuern und Erklären. Die IT übernimmt neue Aufgaben: Sie legt fest, welcher Agent auf welche Daten und Systeme zugreifen darf, sichert Schnittstellen ab und behält Nutzung und Kosten im Blick.
Ich begleite Fachbereich und IT dabei, Rollen und Zuständigkeiten klar zu beschreiben und die nötige KI-Kompetenz aufzubauen.
Kostenloses Erstgespräch
Ob Finanzleitung, IT-Leitung oder Beratungshaus: Im kostenlosen Erstgespräch sprechen wir über Systemlandschaft, Ziele und mögliche erste Anwendungsfälle. Sie erhalten eine erste, unverbindliche Einschätzung.
Auf Wunsch folgt eine Bestandsaufnahme: Welche Systeme und Daten sind vorhanden, welche Prozesse eignen sich, und welcher Weg passt zum Vertrag? Danach starten wir mit ein bis zwei klar abgegrenzten Anwendungsfällen, etwa der Zuordnung von Zahlungseingängen oder der Intercompany-Abstimmung, und messen den Nutzen. Daraus entsteht ein realistischer Fahrplan.
Typische Fragen
Was kann KI im SAP-Finanzwesen heute schon?
Vor allem Routineaufgaben vorbereiten: Zahlungseingänge zuordnen, Abweichungen erklären, Abschlussschritte überwachen und Auswertungen auf Zuruf erstellen. Viele der von SAP angekündigten Finanz-Agenten befinden sich derzeit noch im Early-Adopter-Programm und werden schrittweise verfügbar.
Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Assistenten und einem KI-Agenten?
Ein Assistent beantwortet Fragen, bündelt Informationen und schlägt Schritte vor. Ein Agent führt Aufgaben selbst aus, zum Beispiel eine Buchung vorbereiten oder einen Ausgleich vornehmen. Für Agenten braucht es deshalb strengere Regeln zu Berechtigungen, Freigaben und Prüfpfad.
Brauchen wir S/4HANA, um KI im Finanzwesen zu nutzen?
Für den SAP-Standard ja: Die KI-Agenten von SAP setzen SAP Cloud ERP voraus. Eigene Agenten, externe KI-Plattformen und Fachanwendungen lassen sich grundsätzlich auch mit ECC und S/4HANA On-Premise nutzen; dort ist die Vertragslage zu klären.
Dürfen wir Copilot oder Claude an unser SAP anbinden?
Technisch ist das möglich. Ob es vertraglich zulässig ist, hängt vom SAP-Vertrag und von SAPs API-Richtlinie ab, die seit April 2026 festlegt, welche Schnittstellen dafür freigegeben sind. Das sollte vor dem Start geklärt sein.
Müssen unsere Daten perfekt sein, bevor wir mit KI starten?
Nein. Viele Unternehmen erzielen Nutzen, obwohl ihre Datenqualität nicht ideal ist. Für einzelne, klar abgegrenzte Anwendungsfälle reicht ein solider Stand. Wer KI im gesamten Finanzwesen einsetzen will, braucht jedoch saubere Stammdaten und einheitliche Prozesse.
Was kosten die KI-Funktionen von SAP?
Basisfunktionen sind ohne Aufpreis enthalten. Erweiterte Funktionen und Agenten werden über AI Units abgerechnet, ein Guthaben, das ungenutzt zum Jahresende verfällt. Zum Ausprobieren bietet SAP ein kostenloses Testkontingent an. Die konkreten Konditionen hängen vom jeweiligen Vertrag ab.
Wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-Agent bucht?
Das Unternehmen, das ihn einsetzt. SAPs KI-Bedingungen weisen dem Kunden ausdrücklich die Verantwortung für die Aktionen der Agenten, deren Zugriffsrechte und die Aufsicht durch Menschen zu. Klare Freigaben, Berechtigungen und ein lückenloser Prüfpfad gehören deshalb zu jeder KI-Lösung im Finanzwesen.
Ist das Erstgespräch wirklich kostenlos?
Ja. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. Wir klären, wo Sie stehen und ob und wie ich Sie unterstützen kann.
Stand: Oktober 2026. KI-Angebote, Lizenzmodelle und Vertragsbedingungen entwickeln sich derzeit sehr schnell. Einzelne Angaben auf dieser Seite können daher bereits überholt sein.

