In SAP S/4HANA gibt es keine getrennten Stammsätze mehr für Debitoren und Kreditoren, sondern Geschäftspartner, im SAP-Sprachgebrauch meist Business Partner oder kurz BP. Das klingt nach einer technischen Detailänderung, betrifft aber alle, die Kunden- oder Lieferantendaten pflegen, und ist eine Pflichtaufgabe vor jeder Systemkonvertierung. Dieser Beitrag erklärt, was sich ändert, wie die Umstellung abläuft und worauf Buchhaltung, Einkauf und Vertrieb achten sollten.

Auf einen Blick

  • Kunden und Lieferanten werden in S/4HANA als Geschäftspartner (BP) mit Rollen gepflegt, zentral in der Transaktion BP.
  • Die Umstellung heißt Customer-Vendor-Integration (CVI) und muss vor einer Systemkonvertierung im Altsystem abgeschlossen sein.
  • Debitoren- und Kreditorennummern bleiben bei einer Systemkonvertierung erhalten. Überschneiden sich ihre Nummernkreise, braucht die BP-Nummer ein eigenes Konzept.
  • Der größte Aufwand liegt meist in der Datenqualität.

Was ein Geschäftspartner ist

Bisher wurden Kunden als Debitoren und Lieferanten als Kreditoren in getrennten Stammsätzen gepflegt. Ein Unternehmen, das zugleich Kunde und Lieferant ist, existierte damit zweimal, mit eigener Adresse, eigenen Bankdaten und eigenen Ansprechpartnern.

In S/4HANA gibt es dafür ein zentrales Objekt, den Geschäftspartner. Allgemeine Daten wie Name, Adresse und Kommunikationsdaten werden einmal gepflegt. Welche Funktion ein Geschäftspartner für Ihr Unternehmen hat, legen Rollen fest, etwa Kunde in der Buchhaltung oder Lieferant im Einkauf. Die bekannten Debitoren- und Kreditorendaten gibt es weiterhin; sie werden über die Customer-Vendor-Integration (CVI) automatisch mit dem Geschäftspartner abgeglichen.

Was sich im Alltag ändert

  • Zentrale Transaktion BP: Alle Rollen werden in einer Transaktion gepflegt, alternativ in den passenden Fiori-Apps. Die bisherigen Transaktionen für Debitoren und Kreditoren, etwa XD01 oder XK01, leiten auf BP weiter.
  • Gemeinsame Daten: Eine Adressänderung wirkt für alle Rollen. Das spart doppelte Pflege, erfordert aber klare Zuständigkeiten zwischen Buchhaltung, Einkauf und Vertrieb.
  • Gruppierungen statt Kontengruppen: Nummernkreise werden über BP-Gruppierungen gesteuert, die Feldsteuerung über Rollen. Beides wird den bisherigen Kontengruppen zugeordnet.
  • Ansprechpartner als Beziehungen: Ansprechpartner werden als eigene Geschäftspartner angelegt und über Beziehungen mit dem Unternehmen verknüpft.

Die wichtigsten BP-Rollen im Finanzwesen

Jeder Geschäftspartner hat allgemeine Daten und je nach Verwendung weitere Rollen. Für Buchhaltung, Einkauf und Vertrieb sind vor allem diese relevant:

RolleBedeutung
000000Allgemeiner Geschäftspartner mit Name, Adresse und Kommunikationsdaten
FLCU00Debitor in der Finanzbuchhaltung mit Buchungskreisdaten wie Abstimmkonto und Zahlungsbedingungen
FLCU01Kunde im Vertrieb mit Daten für Verkaufsorganisation und Vertriebsweg
FLVN00Kreditor in der Finanzbuchhaltung mit Buchungskreisdaten wie Abstimmkonto und Zahlwegen
FLVN01Lieferant im Einkauf mit Daten für die Einkaufsorganisation

Ein Unternehmen, das zugleich Kunde und Lieferant ist, erhält einfach beide Rollen. Allgemeine Daten wie die Adresse werden dabei nur einmal gepflegt.

Wie die Umstellung abläuft

Bei einer Systemkonvertierung ist die Customer-Vendor-Integration Voraussetzung: Sie wird im Altsystem eingerichtet und durchgeführt, bevor das System auf S/4HANA umgestellt wird. Bei einer Neueinführung werden die Daten direkt als Geschäftspartner übernommen. Den Weg nach S/4HANA vergleicht der Beitrag Brownfield, Greenfield oder Bluefield.

  1. Analyse: Welche Kontengruppen, Nummernkreise und Datenstände gibt es, und wo gibt es Dubletten oder Lücken?
  2. Konzept: Gruppierungen, Rollen, Nummernkreise und Feldzuordnungen festlegen und klären, ob Geschäftspartner und Debitor beziehungsweise Kreditor dieselbe Nummer erhalten (siehe Nummernkreise).
  3. Bereinigung: Stammdaten korrigieren und nicht mehr benötigte Sätze sperren oder archivieren.
  4. Einrichtung und Prüfung: CVI im Altsystem einrichten und die Einstellungen mit den Prüfberichten von SAP kontrollieren.
  5. Synchronisation: Bestehende Debitoren und Kreditoren in Geschäftspartner umwandeln, Fehler analysieren und beheben, bis alle Sätze umgesetzt sind.
  6. Tests und Cutover: Prozesse mit den neuen Stammdaten testen und die Umstellung in den Cutover-Plan aufnehmen.

Nummernkreise: Wenn sich Nummern überschneiden

Die Nummernvergabe gehört zu den wichtigsten Entscheidungen in einem CVI-Projekt. Im Altsystem haben Debitoren und Kreditoren getrennte Nummernkreise, sodass dieselbe Nummer zweimal vergeben sein kann: etwa 100000 für einen Kunden und 100000 für einen anderen Lieferanten. Die BP-Nummer ist dagegen über alle Geschäftspartner hinweg eindeutig, gleich ob Kunde, Lieferant oder beides. Debitoren- und Kreditorennummern bleiben bei der Umstellung erhalten; zu entscheiden ist, welche Nummer der Geschäftspartner erhält.

SAP empfiehlt, die bisherigen Nummern nach Möglichkeit als BP-Nummern zu übernehmen. In der Praxis gibt es vier Varianten:

Gleiche Nummern

Die BP-Nummer entspricht der Debitoren- oder Kreditorennummer.

Geeignet, wenn sich die Nummernkreise von Debitoren und Kreditoren nicht überschneiden.

Vorrang für eine Seite

Eine Seite, etwa die Debitoren, behält ihre Nummer als BP-Nummer; die andere erhält neue BP-Nummern aus einem eigenen Bereich.

Geeignet, wenn sich die Nummernkreise überschneiden und eine Seite fachlich Vorrang hat.

Neue BP-Nummern

Alle Geschäftspartner erhalten intern neu vergebene Nummern; Debitoren- und Kreditorennummern bestehen daneben weiter.

Geeignet, wenn sich viele Nummern überschneiden oder ein einheitliches neues Schema gewünscht ist.

Zusammenführen

Debitor und Kreditor desselben Unternehmens werden ein Geschäftspartner mit beiden Rollen; das führende Objekt bestimmt die Nummer.

Geeignet, wenn Debitor und Kreditor im Altsystem miteinander verknüpft sind.

Bei den Varianten mit gleichen Nummern müssen die Nummernintervalle von BP-Gruppierung und Kontengruppe zueinander passen, und die Kontengruppen brauchen eine externe Nummernvergabe. Das gilt auch für neue Geschäftspartner nach der Umstellung, wenn Debitor oder Kreditor weiterhin dieselbe Nummer wie der Geschäftspartner erhalten sollen.

Für das Zusammenführen müssen Debitor und Kreditor im Altsystem über das Kreditorfeld im Debitorenstamm beziehungsweise das Debitorfeld im Kreditorenstamm verknüpft sein. Bei Überschneidungen beeinflusst außerdem die Reihenfolge der Synchronisation das Ergebnis. Das Nummernkonzept gehört deshalb an den Anfang des Projekts, noch vor die erste Synchronisation.

Typische Stolpersteine

  • Datenqualität: Fehlende Pflichtfelder, Postleitzahlen im falschen Format oder ungültige Steuernummern führen zu Fehlern bei der Synchronisation.
  • Dubletten: Unternehmen, die mehrfach als Debitor oder Kreditor angelegt sind, sollten vor der Umstellung bereinigt werden.
  • Mitarbeitende als Kreditoren: Werden Mitarbeitende etwa für Reisekosten als Kreditoren geführt, brauchen sie eine eigene Behandlung als Geschäftspartner vom Typ Person.
  • Zuständigkeiten: Wenn Buchhaltung, Einkauf und Vertrieb dieselben Adressdaten pflegen, muss klar geregelt sein, wer was ändern darf.

Was Sie schon heute vorbereiten können

Vieles lässt sich bereits vor dem eigentlichen Projekt erledigen und verkürzt später die Umstellung:

  • Dubletten finden: Kunden und Lieferanten mit gleichen Namen, Adressen oder Steuernummern auswerten und bereinigen.
  • Pflichtfelder und Formate prüfen: Postleitzahlen, Länderschlüssel, Steuernummern und Bankverbindungen auf Vollständigkeit und Plausibilität kontrollieren.
  • Inaktive Sätze aufräumen: Debitoren und Kreditoren ohne Bewegungen sperren oder zur Archivierung vormerken, damit sie nicht unnötig umgesetzt werden.
  • Nummernkreise dokumentieren: Kontengruppen und Nummernkreise von Debitoren und Kreditoren erfassen und Überschneidungen erkennen.
  • Zuständigkeiten klären: Festlegen, wer künftig welche Daten des Geschäftspartners pflegt und freigibt.

Aus der Praxis

In einem aktuellen Projekt zur S/4HANA-Migration einer Organisation der öffentlichen Verwaltung werden Kunden-, Lieferanten- und Mitarbeiterstammdaten in das Geschäftspartnermodell überführt. Die meisten Fehler in den Synchronisationsläufen gehen dabei nicht auf Einstellungen zurück, sondern auf die Datenqualität. Es lohnt sich deshalb, die Fehlerprotokolle früh auszuwerten und die Korrekturen im Altsystem vorzunehmen, statt sie im Cutover nachzuholen.

Häufige Fragen

Bleiben unsere Debitoren- und Kreditorennummern gleich?

Bei einer Systemkonvertierung ja: Debitoren und Kreditoren behalten ihre Nummern. Zu entscheiden ist, welche Nummer der Geschäftspartner erhält. SAP empfiehlt, die bestehenden Nummern als BP-Nummern zu übernehmen; bei Überschneidungen helfen die Varianten im Abschnitt Nummernkreise.

Muss die Umstellung vor dem S/4HANA-Projekt erledigt sein?

Bei einer Systemkonvertierung ja: Die Customer-Vendor-Integration ist Voraussetzung und wird im Altsystem abgeschlossen. Viele Unternehmen ziehen sie deshalb als eigenes Vorprojekt vor.

Ändert sich etwas an Zahlungen und Mahnungen?

Die Abläufe selbst bleiben gleich, Zahlungen und Mahnungen laufen weiterhin über die Debitoren- und Kreditorendaten. Neu ist, wo und wie die Stammdaten gepflegt werden.

Stand: Oktober 2026. Funktionsumfang und Empfehlungen von SAP können sich mit neuen Releases ändern.

Umstellung auf Geschäftspartner geplant?

Ich unterstütze bei Analyse, Konzeption und Durchführung der Customer-Vendor-Integration, einschließlich Synchronisationsläufen, Fehleranalyse und Cutover.

Zur SAP FI Beratung · S/4HANA-Finance-Migration · Kostenloses Erstgespräch anfragen

Alexander Driediger, SAP FI/CO Berater

Alexander Driediger
Senior SAP S/4HANA Finance & Controlling Consultant mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im SAP-Umfeld und eigener Praxis im Rechnungswesen. Mehr über mich

Weiterlesen

Beitrag teilen: LinkedIn · XING