Mit SAP S/4HANA verändert sich die Ergebnisrechnung grundlegend. Die buchhalterische Variante, Margin Analysis, schreibt ihre Daten direkt in das Universal Journal und ist damit automatisch mit der Finanzbuchhaltung abgestimmt. Die kalkulatorische Ergebnisrechnung mit Wertfeldern bleibt verfügbar, SAP konzentriert die Weiterentwicklung aber auf Margin Analysis. Dieser Beitrag zeigt die Unterschiede, die neuen Möglichkeiten und worauf es beim Umstieg ankommt.

Auf einen Blick

  • Es gibt zwei Varianten: die kalkulatorische Ergebnisrechnung mit Wertfeldern und Margin Analysis auf Basis von Sachkonten im Universal Journal.
  • SAP empfiehlt Margin Analysis; Neuerungen entstehen nur dort. In SAP S/4HANA Cloud Public Edition gibt es die kalkulatorische Variante nicht.
  • Margin Analysis ist per Konstruktion mit der Finanzbuchhaltung abgestimmt.
  • Neu sind unter anderem die Aufteilung der Herstellkosten des Umsatzes nach Kostenkomponenten und der Produktionsabweichungen nach Abweichungskategorien.
  • Der Umstieg ist vor allem eine Konzeptfrage: Kontenplan, Merkmale und Berichte.

Zwei Varianten der Ergebnisrechnung

Die Ergebnisrechnung zeigt, mit welchen Produkten, Kunden, Regionen oder Vertriebswegen ein Unternehmen sein Ergebnis erzielt. SAP bietet dafür zwei Varianten:

  • Kalkulatorische Ergebnisrechnung: Die Werte stehen in Wertfeldern und werden in eigenen Tabellen außerhalb der Finanzbuchhaltung gespeichert. Das erlaubt große Flexibilität, erfordert aber eine regelmäßige Abstimmung mit dem Hauptbuch.
  • Buchhalterische Ergebnisrechnung (Margin Analysis): Die Werte werden auf Sachkonten gebucht und im Universal Journal gespeichert. Ergebnisrechnung und Finanzbuchhaltung greifen auf dieselben Belegzeilen zu.

In SAP S/4HANA ist die kalkulatorische Ergebnisrechnung weiterhin verfügbar, wird aber nicht mehr weiterentwickelt. SAP empfiehlt Margin Analysis und konzentriert alle Neuerungen dort. In SAP S/4HANA Cloud Public Edition steht die kalkulatorische Variante nicht zur Verfügung.

Was Margin Analysis anders macht

  • Sachkonten statt Wertfelder: Die Struktur der Ergebnisrechnung ergibt sich aus dem Kontenplan. Was heute in einzelnen Wertfeldern steht, braucht künftig entsprechend differenzierte Erlös-, Erlösschmälerungs- und Kostenkonten.
  • Abstimmung per Konstruktion: Jede ergebniswirksame Buchung steht mit ihren Merkmalen im Universal Journal. Die Abstimmung zwischen Ergebnisrechnung und Hauptbuch entfällt.
  • Merkmale in der Belegzeile: Merkmale wie Kunde, Produkt oder Vertriebsweg werden bei jeder Buchung abgeleitet und mit der Belegzeile gespeichert.
  • Nicht jede Funktion der kalkulatorischen Variante: Margin Analysis deckt nicht alle Anforderungen der kalkulatorischen Ergebnisrechnung ab. Ob sie im Einzelfall genügt, ist eine unternehmensspezifische Entscheidung.

Neue Möglichkeiten in S/4HANA

  • Herstellkosten des Umsatzes nach Kostenkomponenten: Die abgesetzte Menge wird mit den Standardherstellkosten bewertet und nach Kostenkomponenten wie Material, Fertigung und Gemeinkosten auf eigene Sachkonten aufgeteilt. Die Aufteilung steht damit auch im Hauptbuch zur Verfügung.
  • Produktionsabweichungen nach Kategorien: Abweichungen aus Fertigungsaufträgen werden getrennt nach Abweichungskategorien, etwa Preis-, Mengen- oder Losgrößenabweichung, abgerechnet und ins Ergebnis übernommen.
  • Auftragseingang: Kundenaufträge lassen sich bereits vor der Fakturierung in der Ergebnisrechnung auswerten.
  • Verursachungsgerechte Gemeinkosten: Verbleibende Gemeinkosten auf Kostenstellen oder Aufträgen werden auf die verursachenden Ergebnisobjekte verrechnet.

Auswertungen greifen direkt auf das Universal Journal zu und zeigen Ergebnisrechnung und Finanzbuchhaltung in einer gemeinsamen Sicht. Grundlagen dazu erklärt der Beitrag Was ändert SAP S/4HANA für mich?.

Beispiel: ein Deckungsbeitragsschema

Wie die Bausteine zusammenspielen, zeigt ein vereinfachtes Deckungsbeitragsschema. Jede Zeile ergibt sich aus Sachkonten, die mit Merkmalen wie Kunde, Produkt oder Vertriebsweg gebucht werden:

  • Bruttoerlöse aus der Fakturierung
  • abzüglich Erlösschmälerungen auf eigenen Konten, etwa für Rabatte und Boni
  • ergibt die Nettoerlöse
  • abzüglich Herstellkosten des Umsatzes, aufgeteilt nach Kostenkomponenten wie Material, Fertigung und Gemeinkosten
  • ergibt den Deckungsbeitrag I
  • abzüglich Produktionsabweichungen, getrennt nach Abweichungskategorien
  • ergibt den Deckungsbeitrag II
  • abzüglich Vertriebs- und Verwaltungskosten, verrechnet von Kostenstellen auf Ergebnisobjekte
  • ergibt das Betriebsergebnis

Jede Zeile lässt sich nach allen Merkmalen auswerten, etwa je Produktgruppe, Kunde oder Region, und stimmt mit der Gewinn- und Verlustrechnung überein.

Was beim Umstieg zu klären ist

Der Umstieg auf Margin Analysis ist weniger eine technische als eine konzeptionelle Aufgabe. Zu klären sind vor allem:

  • Kontenplan: Welche Wertfelder werden heute genutzt, und welche Sachkonten bilden sie künftig ab?
  • Merkmale: Welche Merkmale werden tatsächlich ausgewertet, und wie werden sie abgeleitet?
  • Kalkulatorische Werte: Welche Werte entstehen heute nur in der Ergebnisrechnung, und wie werden sie künftig abgebildet oder ersetzt?
  • Kostenkomponenten und Abweichungen: Welche Aufteilung der Herstellkosten und welche Abweichungskategorien sollen im Hauptbuch sichtbar sein?
  • Berichte und Planung: Welche Berichte und Planungsprozesse greifen auf die bisherige Ergebnisrechnung zu?
  • Historie: Wie werden Vorjahreswerte für Vergleiche bereitgestellt?

Bei einer Systemkonvertierung lassen sich beide Varianten parallel aktivieren. Das erleichtert einen schrittweisen Umstieg, bedeutet aber vorübergehend zusätzlichen Pflegeaufwand. Bei einer Neueinführung empfiehlt es sich, direkt mit Margin Analysis zu starten.

Vorgehen

  1. Bestandsaufnahme: Wertfelder, Merkmale, Ableitungen und Berichte der heutigen Ergebnisrechnung erfassen.
  2. Zielbild: Konten, Merkmale, Kostenkomponenten und Abweichungskategorien festlegen.
  3. Kontenplan und Kontenfindung: Sachkonten ergänzen und die Kontenfindung anpassen.
  4. Berichte und Planung: Auswertungen und Planungsprozesse auf Margin Analysis ausrichten.
  5. Test: mit echten Perioden testen und gegen die bisherigen Ergebnisse abstimmen.
  6. Übergang: über den parallelen Betrieb und die Abschaltung der kalkulatorischen Variante entscheiden.

Aus der Praxis

In internationalen Rollouts mit Ergebnisrechnung lag die größte Arbeit im gemeinsamen Zielbild: Controlling, Vertrieb und Rechnungswesen verbinden mit denselben Begriffen oft unterschiedliche Kennzahlen. Wer früh festlegt, welche Merkmale und Ergebnisgrößen tatsächlich gesteuert werden, hält den Kontenplan schlank und die Berichte über alle Gesellschaften vergleichbar.

Häufige Fragen

Muss die kalkulatorische Ergebnisrechnung mit dem Umstieg abgeschaltet werden?

Nein. In SAP S/4HANA On-Premise und in der Private Cloud bleibt sie verfügbar und kann parallel zu Margin Analysis betrieben werden. Sie wird jedoch nicht mehr weiterentwickelt.

Braucht Margin Analysis mehr Sachkonten?

Häufig ja. Da Margin Analysis auf Sachkonten aufsetzt, übernehmen Konten die Rolle der bisherigen Wertfelder. Wie fein der Kontenplan wird, hängt von den Anforderungen an die Ergebnisrechnung ab.

Was passiert mit den bisherigen Ergebnisdaten?

Die Daten der kalkulatorischen Ergebnisrechnung bleiben in deren Tabellen erhalten. Für Vergleiche über den Umstieg hinweg sollte früh festgelegt werden, wie Vorjahreswerte bereitgestellt werden.

Stand: Oktober 2026. Funktionsumfang und Empfehlungen von SAP können sich mit neuen Releases ändern.

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Alexander Driediger, SAP FI/CO Berater

Alexander Driediger
Senior SAP S/4HANA Finance & Controlling Consultant mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im SAP-Umfeld und eigener Praxis im Rechnungswesen. Mehr über mich

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